Liebe Leserinnen und Leser,
die Marathon-Petroleum-Aktie kennt weiter nur eine Richtung und zwar nach oben. Der Ölpreis ist wegen der angespannten Versorgungslage auf über 107 US-Dollar je Barrel gestiegen, während gleichzeitig die Raffineriemargen auf außergewöhnlich hohem Niveau liegen. Für Marathon Petroleum ist das eine explosive Kombination. Nach der Rallye von mehr als 140 Prozent seit Jahresbeginn stellt sich allerdings die Frage: Wie viel des Raffinerie-Booms ist bereits eingepreist?
Ölpreis liefert Rückenwind
Brent notiert aktuell bei rund 107,82 US-Dollar, WTI bei 103,22 US-Dollar. Hintergrund sind neue geopolitische Spannungen im Nahen Osten und wachsende Risiken für den Transport von Rohöl und Kraftstoffen. Gleichzeitig verschärfen ukrainische Angriffe auf russische Raffinerien die Angebotsknappheit. Rund 40 Prozent der russischen Raffineriekapazitäten sollen derzeit außer Betrieb sein.
Besonders brisant: Russland begrenzt zusätzlich seine Dieselausfuhren. Damit fehlen dem internationalen Markt erhebliche Mengen, während Europa seine Lagerbestände auffüllen muss und verstärkt auf US-Lieferungen angewiesen ist.
Für Marathon Petroleum ist allerdings nicht der absolute Ölpreis entscheidend. Der Schlüssel sind die sogenannten Crack Spreads – also die Differenz zwischen Rohölkosten und den Verkaufspreisen für Benzin und Diesel. Genau diese Margen befinden sich derzeit auf extrem hohem Niveau.
Raffinerie-Boom könnte bis 2027 anhalten
Das aktuelle Umfeld könnte deshalb nicht bloß ein kurzfristiger geopolitischer Effekt sein, sondern darüber hinaus gehen. Branchenanalysten rechnen damit, dass die globalen Raffineriemargen wegen anhaltender Angebotsengpässe bis weit in das Jahr 2027 hinein erhöht bleiben könnten.
Marathon Petroleum profitiert dabei gleich doppelt: von der hohen Nachfrage nach raffinierten Produkten und von den eingeschränkten Kapazitäten wichtiger Wettbewerber. Im zweiten Quartal 2026 kletterte der Umsatz bereits um 53,5 Prozent auf 51,99 Mrd. US-Dollar. Der Nettogewinn vervielfachte sich auf 5,1 Mrd. US-Dollar, das bereinigte EBITDA legte um mehr als 150 Prozent auf 8,5 Mrd. US-Dollar zu.
UBS setzt die Messlatte höher
Auch die Wall Street wird zunehmend optimistisch. Die UBS hob ihr Kursziel drastisch von 321 auf 450 US-Dollar an und bestätigte ihre Kaufempfehlung. Noch ambitionierter ist Piper Sandler mit einem Zielwert von 462 US-Dollar. Der Analystenkonsens liegt zwar mit rund 330,50 US-Dollar deutlich niedriger, doch die jüngsten Anhebungen zeigen, dass sich die Erwartungen schnell nach oben bewegen.
Bewertung nicht mehr günstig
Ganz risikolos ist die Rallye allerdings nicht. Mit einem KGV von rund 13,6 wirkt Marathon Petroleum auf den ersten Blick moderat bewertet. Auf Basis der erwarteten Gewinne fällt das Multiple teilweise sogar einstellig aus. Gleichzeitig liegt die Aktie inzwischen deutlich über verschiedenen modellbasierten Fair-Value-Schätzungen.
Das zentrale Risiko bleibt dabei die Zyklik: Fallen Öl- und Produktpreise oder brechen die Crack Spreads ein, kann sich der Gewinnhebel sehr schnell umkehren. Hinzu kommen Konjunkturrisiken, eine mögliche Nachfrageschwäche und langfristig die Energiewende.
Charttechnik gibt den Bullen Rückenwind
Charttechnisch ist die Lage ausgesprochen spannend. Seit April 2025 hat sich die Aktie um mehr als 240 Prozent verteuert, allein 2026 beträgt das Plus rund 143 Prozent. In der vergangenen Woche gelang schließlich der Sprung über die psychologisch wichtige Marke von 400 US-Dollar.
Kann sich Marathon Petroleum nachhaltig oberhalb dieser Schwelle etablieren, rückt als nächstes Projektionsziel die Marke von 500 US-Dollar in den Fokus. Ein Rückfall unter 400 US-Dollar würde dagegen zunächst für eine Verschnaufpause sprechen.
Fazit: Rallye hat noch Potenzial
Marathon Petroleum ist nach der gewaltigen Rallye kein klassischer Schnäppchenkauf mehr. Dennoch sprechen derzeit außergewöhnlich hohe Raffineriemargen, knappe Kraftstoffmärkte, der starke Ölpreis und steigende Analystenziele für weiter günstige Rahmenbedingungen.
Solange der Refining-Boom anhält, bleibt Marathon Petroleum eine der spannendsten Aktien im US-Energiesektor. Der Ausbruch über 400 US-Dollar könnte dabei nur der nächste Schritt gewesen sein – gelingt die nachhaltige Bestätigung, erscheint die 500-Dollar-Marke als Kursziel meiner Meinung nach alles andere als utopisch.
Beste Grüße,
Ihr Alexander Hirschler