Liebe Leserinnen und Leser,
im Speichersektor hat sich die Lage zuletzt wieder deutlich aufgehellt. Nach einer zwischenzeitlichen Korrektur von 50 Prozent und mehr geht es für die KI-Highflyer seit einigen Wochen wieder kräftig nach oben. Ausgesprochen stark entwickelt sich dabei auch die SanDisk-Aktie, die seit dem Tief im Bereich der 1.000-Dollar-Marke mittlerweile mit über 70 Prozent im Plus notiert. Das steckt hinter der neuerlichen Rallye und so kann es jetzt weitergehen.
OpenAI entfacht neue Fantasie
Einer der wichtigsten Impulse kommt derzeit aus der KI-Welt. Das neue OpenAI-Modell GPT-6 Astra sorgt für die Hoffnung, dass der KI-Boom nicht zu weniger, sondern zu noch mehr Rechenleistung führen wird. Denn je stärker KI-Agenten komplexe Aufgaben übernehmen, desto größer wird der Bedarf an GPUs, Server-DRAM und NAND-Speicher.
Genau hier kommt SanDisk ins Spiel. Die Nachfrage nach Speicher für KI-Rechenzentren bleibt hoch. Dell-COO Jeffrey Clarke brachte die aktuelle Situation auf den Punkt: Die Engpässe bei KI-Servern lägen weiterhin vor allem bei DRAM, gefolgt von NAND. Für SanDisk ist das ein ausgesprochen günstiges Umfeld.
Zusätzlichen Rückenwind liefert die geplante Übernahme der KI-Plattform Hugging Face durch Nvidia. Sie unterstreicht, wie aggressiv der Chipkonzern sein KI-Ökosystem ausbaut – und damit auch die Nachfrage nach der benötigten Speicherinfrastruktur.
S&P 100 als weiterer Kurstreiber
Als wäre das nicht genug, steigt SanDisk am 21. September in den prestigeträchtigen S&P 100 auf und ersetzt dort Nike. Die Indexaufnahme dürfte zusätzliche Nachfrage von passiven Fonds und ETFs auslösen. Bereits die Ankündigung ließ die Aktie kräftig nach oben springen.
Auch fundamental liefert SanDisk Argumente. Im Geschäftsjahr 2026 explodierte der Umsatz auf 20,25 Mrd. Dollar. Besonders beeindruckend entwickelte sich das Rechenzentrumsgeschäft: Der Enterprise-SSD-Umsatz verdoppelte sich zuletzt innerhalb eines Quartals auf rund 2,98 Mrd. Dollar. Langfristige Liefervereinbarungen sorgen zudem für eine ungewöhnlich hohe Visibilität in einem traditionell zyklischen Geschäft.
Analysten bleiben bullish
Die Wall Street sieht deshalb weiterhin erhebliches Potenzial. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei rund 2.100 bis 2.125 Dollar. Einzelne Häuser sind wesentlich optimistischer: Citi sieht den fairen Wert bei 2.100 Dollar, die Bank of America bei 2.500 Dollar, Evercore ISI bei 2.800 Dollar und Bernstein sogar bei 3.000 Dollar. Die große Spannbreite zeigt allerdings auch, wie schwierig die weitere Entwicklung des NAND-Zyklus einzuschätzen ist.
Bei der Bewertung ergibt sich ein ambivalentes Bild. Das historische KGV wirkt mit rund 22 bis 24 zwar nicht günstig, angesichts der erwarteten Gewinnexplosion fällt das Forward-KGV deutlich niedriger aus. Gleichzeitig warnen DCF-Modelle vor einer bereits ambitionierten Bewertung. Entscheidend bleibt daher, ob die hohen Speicherpreise und Margen nachhaltig sind.
Chart nimmt Kurs auf 2.000 Dollar
Technisch hat sich das Bild deutlich aufgehellt. Nach dem Absturz um fast 60 Prozent bis auf rund 1.000 Dollar Ende Juli drehte SanDisk nach oben. Seitdem summiert sich das Plus auf mehr als 70 Prozent. Der Rücksetzer in der zweiten Augusthälfte wurde anschließend zügig aufgeholt – ein Zeichen für anhaltende Nachfrage.
Nun rückt das Verlaufshoch bei 1.827 Dollar in den Fokus. Gelingt der Ausbruch, wäre der Weg zur psychologisch wichtigen 2.000-Dollar-Marke frei. Darüber wartet mit 2.354 Dollar das Rekordhoch als nächstes großes Ziel.
Mein Fazit
SanDisk bleibt damit eine der spannendsten Wetten auf den KI-Speicherboom. Die Kombination aus steigender KI-Nachfrage, knappen NAND-Beständen, S&P-100-Aufstieg und langfristigen Wachstumsplänen spricht für weitere Kurschancen. Allerdings ist die Aktie nach dem fulminanten Rebound keineswegs ein ruhiger Hafen. Wer hier einsteigt, muss auch künftig mit heftigen Ausschlägen rechnen. Gelingt jedoch der Sprung über 1.827 Dollar, könnte die nächste Rallyestufe starten – mit 2.000 Dollar als Zwischenziel und dem Rekordhoch darüber als große Bewährungsprobe.
Beste Grüße,
Ihr Alexander Hirschler