Börsenwoche: Bietet dieser KI-Champion die Comeback-Chance des Jahres?

Liebe Leserinnen und Leser,

die Euphorie im Halbleitersektor hat zuletzt einen Dämpfer erhalten. Nach einer monatelangen Rallye setzten bei vielen Chipwerten deutliche Gewinnmitnahmen ein. Auch der Anlegerliebling Micron kann sich davon nicht freisprechen und notiert inzwischen gut 30 Prozent unter den Höchstständen von Ende Juni. Stellt der Rücksetzer eine einmalige Kaufchance dar oder sollten Anleger die Aktie weiterhin meiden?

KI-Boom bleibt intakt – kurzfristig dominieren aber die Risiken

Fundamental hat sich an der langfristigen Investmentstory von Micron wenig geändert. Dennoch geriet die Aktie zuletzt deutlich unter Druck. Nach Einschätzung von Marktstrategen ist dafür kein einzelner Auslöser verantwortlich, sondern ein ganzes Bündel an Belastungsfaktoren.

Zum einen enttäuschte die Kursreaktion auf die starken Quartalszahlen von Intel. Obwohl der Chipkonzern die Erwartungen übertraf, wurden die guten Nachrichten von Anlegern kaum honoriert. Das schürte Zweifel daran, wie viel Optimismus im Halbleitersektor bereits eingepreist ist.

Hinzu kommen neue Sorgen rund um China. Der spektakuläre Börsengang des chinesischen Speicherchip-Herstellers CXMT mit einem Kursplus von zeitweise mehr als 460 Prozent verdeutlicht, wie stark China seine eigene Halbleiterindustrie ausbaut.

Zwar bleibt CXMT mit einem Marktanteil von rund 8 Prozent im DRAM-Markt deutlich kleiner als Micron, Samsung oder SK Hynix. Berichte, wonach Apple den Einsatz chinesischer Speicherchips für außerhalb der USA verkaufte Geräte prüfen lässt, sorgten dennoch für Verunsicherung. Sollte sich die Lieferkette langfristig öffnen, könnte der Wettbewerb zunehmen und der Preisdruck steigen.

Ebenfalls belastend wirkt die anstehende Zinsentscheidung der US-Notenbank. Höhere oder länger hoch bleibende Zinsen erhöhen die Finanzierungskosten für die milliardenschweren KI-Investitionen der Hyperscaler und drücken gleichzeitig auf die Bewertungen wachstumsstarker Technologiewerte.

Langfristige Wachstumstreiber bleiben stark

Den kurzfristigen Risiken stehen allerdings außergewöhnlich starke Fundamentaldaten gegenüber. Micron profitiert weiterhin massiv vom KI-Boom. Die gesamte HBM4-Produktion für 2026 und 2027 ist bereits ausverkauft. Gleichzeitig erwartet das Unternehmen, dass die Nachfrage nach High-Bandwidth-Memory das Angebot noch bis mindestens 2028 übersteigen wird.

Rückenwind kommt zudem von der gesamten Branche. Das Marktforschungsunternehmen Gartner hat seine Prognose für die weltweiten IT-Ausgaben erneut angehoben. Für 2026 werden inzwischen Investitionen von 6,37 Billionen Dollar erwartet. Besonders dynamisch entwickelt sich der Ausbau von KI-Rechenzentren. Allein in diesem Bereich sollen die Ausgaben um mehr als 62 Prozent auf 822 Milliarden Dollar  steigen. Davon profitieren Speicherhersteller wie Micron unmittelbar.

Zusätzliche Impulse liefern die milliardenschweren KI-Investitionsprogramme der großen Cloud-Konzerne sowie Microns eigene Expansionspläne. Der Konzern will bis 2035 rund 250 Milliarden Dollar in neue Produktionskapazitäten in den USA investieren und sich damit langfristig eine führende Rolle im KI-Speichermarkt sichern.

Analysten bleiben klar auf der Käuferseite

An der Wall Street bleibt die Stimmung trotz der jüngsten Schwächephase überwiegend optimistisch. Rund 90 Prozent der Analysten empfehlen die Aktie weiterhin zum Kauf. Die durchschnittlichen Kursziele liegen je nach Datenbasis zwischen rund 1.270 und 1.490 Dollar und signalisieren damit deutliches Aufwärtspotenzial.

Auch die Bewertung wirkt auf den ersten Blick attraktiv. Während das aktuelle KGV bei gut 20 liegt, fällt das erwartete Forward-KGV auf lediglich rund 6. Allerdings steckt dahinter auch die typische Zyklik der Speicherbranche. Viele Analysten gehen davon aus, dass Micron in den kommenden beiden Jahren außergewöhnlich hohe Gewinne erzielt, bevor sich das Wachstum später wieder normalisiert. Genau deshalb mahnen einige Experten trotz der günstigen Bewertung zur Vorsicht.

Charttechnik: Jetzt entscheidet sich der mittelfristige Trend

Charttechnisch befindet sich die Micron-Aktie seit dem Rekordhoch vom 25. Juni in einer gesunden Konsolidierung. Zwar setzte zuletzt eine Erholung ein, doch an der psychologisch wichtigen Marke von 1.000 Dollar prallte der Kurs zunächst wieder nach unten ab.

Damit rückt das Korrekturtief vom 18. Juli bei 804 Dollar erneut in den Fokus. Sollte diese Unterstützung fallen, dürfte die 100-Tage-Linie bei aktuell 714,40 Dollar die nächste wichtige Haltemarke darstellen. Genau dort drehte die Aktie bereits während der letzten größeren Korrektur Ende März wieder nach oben.

Fazit

Noch spricht vieles dafür, dass es sich bei der aktuellen Bewegung um eine normale Verschnaufpause innerhalb eines intakten übergeordneten Aufwärtstrends handelt. Die strukturell hohe Nachfrage nach KI-Speicherchips, die auf lange Sicht ausverkauften Produktionskapazitäten und die weiter steigenden Investitionen in Rechenzentren bilden ein solides Fundament.

Natürlich bleiben Risiken bestehen. Der Wettbewerb aus China nimmt zu, politische Eingriffe können jederzeit für Unsicherheit sorgen und nach der enormen Kursrallye der vergangenen Monate sind weitere Schwankungen jederzeit möglich. Für langfristig orientierte Anleger überwiegen derzeit jedoch weiterhin die Chancen. Solange der KI-Infrastrukturboom anhält und Micron seine technologische Führungsposition behauptet, dürfte die aktuelle Korrektur eher eine Bereinigung als das Ende des langfristigen Aufwärtstrends sein.

Beste Grüße,

Ihr Alexander Hirschler

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