Börsenwoche: Diese KI-Wette hat sich verzwanzigfacht – und könnte noch nicht fertig sein!

Liebe Leserinnen und Leser,

die Aktie von Western Digital kennt derzeit scheinbar nur eine Richtung. Seit Jahresbeginn hat der Speicher-Spezialist um mehr als 270 Prozent zugelegt, seit dem Tiefpunkt im Frühjahr 2025 sogar um mehr als das Zwanzigfache. Während viele Anleger den Fokus auf KI-Chiphersteller wie Nvidia oder Micron richten, entwickelt sich Western Digital zunehmend zu einem der größten Profiteure des globalen KI-Infrastrukturbooms. Doch ist nach der spektakulären Rallye weiteres Potenzial vorhanden oder sind die guten Nachrichten längst eingepreist?

Operative Entwicklung überzeugt auf ganzer Linie

Die jüngsten Quartalszahlen liefern den Bullen jedenfalls reichlich Argumente. Im dritten Geschäftsquartal kletterte der Umsatz um 45 Prozent auf 3,34 Milliarden US-Dollar. Noch beeindruckender fiel die Entwicklung bei der Profitabilität aus.

Die bereinigte Bruttomarge überschritt mit 50,5 Prozent erstmals in der Unternehmensgeschichte die 50-Prozent-Marke. Gleichzeitig verdoppelte sich der Gewinn je Aktie nahezu auf 2,72 Dollar und lag deutlich über den Erwartungen der Wall Street. Auch der freie Cashflow von knapp einer Milliarde Dollar unterstreicht die hohe Ertragskraft des Unternehmens.

Für zusätzlichen Optimismus sorgt der Ausblick. Das Management erwartet für das laufende Quartal einen Umsatz von rund 3,65 Milliarden Dollar sowie eine weitere Verbesserung der Margen.

KI sorgt für einen neuen Speicherzyklus

Der wichtigste Kurstreiber bleibt die explosionsartig steigende Nachfrage nach Datenspeicherung im KI-Zeitalter. Jede KI-Anwendung erzeugt enorme Datenmengen, die dauerhaft gespeichert, verarbeitet und archiviert werden müssen. Davon profitieren insbesondere Anbieter hochkapazitiver Festplattenlösungen für Rechenzentren.

Zusätzlichen Rückenwind erhielt der gesamte Speichersektor zuletzt durch die Ankündigung von SK Hynix, die Produktionskapazitäten in den kommenden Jahren massiv auszubauen. Der Markt wertet dies als weiteres Indiz dafür, dass die Nachfrage nach Speicherinfrastruktur langfristig deutlich höher ausfallen dürfte als bislang angenommen.

Western Digital positioniert sich dabei mit neuen UltraSMR-Laufwerken und der kommenden HAMR-Technologie als einer der zentralen Infrastrukturzulieferer für Hyperscaler und KI-Rechenzentren.

Analysten werden immer optimistischer

JPMorgan hat das Kursziel zuletzt von 530 auf 650 Dollar angehoben und die Einstufung auf „Overweight“ belassen. Analyst Samik Chatterjee verweist insbesondere auf die starke Dynamik im Speicherzyklus und die zunehmende Bedeutung von Speicherlösungen für KI-Anwendungen.

Noch optimistischer zeigen sich die Experten von Mizuho und Citigroup, die ihre Kursziele zuletzt auf 685 Dollar angehoben haben. Selbst nach der jüngsten Rallye signalisiert das durchschnittliche Analystenziel damit weiteres Aufwärtspotenzial.

Nicht mehr günstig, aber noch nicht extrem

Nach dem spektakulären Kursanstieg ist Western Digital aber kein Schnäppchen mehr. Auf Basis der erwarteten Gewinne für die kommenden zwölf Monate wird die Aktie aktuell mit einem Forward-KGV von rund 30 bewertet.

Für einen klassischen Hardwarehersteller wäre dies ambitioniert. Im Kontext des aktuellen Gewinnwachstums und der außergewöhnlichen Margenentwicklung erscheint die Bewertung allerdings nicht überzogen. Entscheidend wird sein, ob das Unternehmen die hohe Nachfrage aus dem KI-Sektor über mehrere Jahre hinweg monetarisieren kann.

Genau hier liegt auch das größte Risiko. Die aktuelle Bewertung setzt voraus, dass die Investitionen der großen Cloud- und Rechenzentrumsbetreiber auf hohem Niveau bleiben und die Margen nachhaltig verteidigt werden können.

Fazit

Western Digital hat sich vom zyklischen Festplattenhersteller zu einem der wichtigsten Profiteure des KI-Infrastrukturbooms entwickelt. Zwar kann es nach der steilen Aufwärtsrallye auch immer wieder zu Kurskonsolidierungen gekommen, solange der KI-getriebene Speicherzyklus anhält und der Konzern seine operative Dynamik aufrechterhalten kann, dürfte die Wachstumsstory aber weitergehen.

Beste Grüße,

Ihr Alexander Hirschler

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