Liebe Leserinnen und Leser,
die Aktie der US-Raumfahrtunternehmens Rocket Lab befindet sich in einer steilen Aufwärtsbewegung und hat sich in diesem Jahr bereits annähernd verdoppelt. Seit Ende März belaufen sich die Kurszuwächse sogar auf über 140 Prozent. Was treibt den Kurs an und wie viel Potenzial steckt jetzt noch im Raketen-Highflyer?
Vom Raketenstarter zum Raumfahrtkonzern
Die Raumfahrtbranche erlebt gerade die wohl aufregendste Phase seit Jahren. Während Anleger gespannt auf den Börsengang von SpaceX blicken, rückt ein anderer Player immer stärker ins Rampenlicht: Rocket Lab. Der US-Konzern hat sich längst vom kleinen Raketenstarter zum ernstzunehmenden Raumfahrt- und Verteidigungsunternehmen entwickelt – und liefert die passenden Zahlen und Aufträge dazu.
90-Millionen-Dollar-Deal mit der Space Force
Auslöser des jüngsten Kurssprungs war ein 90-Millionen-Dollar-Auftrag der U.S. Space Force. Rocket Lab soll zwei geostationäre Satelliten für das Weltraumüberwachungssystem „Heimdall“ entwickeln, bauen, starten und anschließend über mehrere Jahre im Orbit betreiben.
Besonders spannend: Erstmals tritt das Unternehmen dabei als Hauptauftragnehmer für eine GEO-Mission auf – ein Bereich, der bislang vor allem Schwergewichten wie Lockheed Martin oder Northrop Grumman vorbehalten war.
Für Rocket Lab ist das weit mehr als nur ein weiterer Regierungsauftrag. Der Konzern demonstriert damit, dass er inzwischen die komplette Wertschöpfungskette abdecken kann: vom Raketenstart über Satellitenplattformen bis hin zum langfristigen Betrieb im All. Genau diese vertikale Integration gilt als entscheidender Hebel, um künftig höhere Margen und planbarere Erlöse zu erzielen.
Starke Zahlen untermauern den Kurswechsel
Die jüngsten Quartalszahlen zeigen bereits, wie stark sich das Geschäftsmodell verändert. Im ersten Quartal 2026 stieg der Umsatz um mehr als 63 Prozent auf rund 200 Millionen Dollar. Besonders dynamisch entwickelte sich das margenstärkere Space-Systems-Geschäft, das inzwischen wichtiger ist als das klassische Startgeschäft. Gleichzeitig verbesserte sich die Bruttomarge deutlich, während der Auftragsbestand mit 2,2 Milliarden Dollar ein Rekordniveau erreichte.
An der Börse sorgte das für Euphorie. Die Aktie markierte zuletzt mehrfach neue Höchststände und hat sich innerhalb eines Jahres vervielfacht. Investoren setzen zunehmend darauf, dass Rocket Lab nicht mehr nur als „kleines SpaceX“ wahrgenommen wird, sondern als eigenständiger Infrastruktur- und Verteidigungsanbieter im New-Space-Sektor.
Neutron und Verteidigung als nächste Wachstumstreiber
Zusätzlichen Rückenwind liefern operative Fortschritte. Neben mehreren erfolgreichen Electron-Starts arbeitet Rocket Lab intensiv an der neuen wiederverwendbaren Mittelstreckenrakete „Neutron“, die später deutlich größere Missionen ermöglichen soll. Gleichzeitig baut der Konzern seine Präsenz im Verteidigungs- und Hyperschallbereich aus – zwei Märkte, in denen die US-Regierung ihre Investitionen massiv erhöht.
SpaceX-IPO wird zum Stimmungstest
Doch trotz aller Wachstumsfantasie bleibt die Bewertung ambitioniert. Rocket Lab wird inzwischen mit mehr als 70 Milliarden Dollar bewertet und damit mit einem Vielfachen des erwarteten Jahresumsatzes gehandelt. Genau hier kommt SpaceX ins Spiel: Der mögliche IPO des Branchenprimus könnte zum entscheidenden Stimmungstest für den gesamten Sektor werden.
Viele Anleger hoffen, dass ein Börsengang von SpaceX die enormen Bewertungen im Raumfahrtmarkt rechtfertigt und frisches Kapital in die Branche zieht. Gleichzeitig besteht aber auch das Risiko, dass Rocket Lab im direkten Vergleich plötzlich deutlich kritischer bewertet wird. Entsprechend nervös reagierte die Aktie zuletzt immer wieder auf neue Spekulationen rund um einen möglichen IPO-Termin, der nun am 12. Juni erfolgen soll.
Die nächsten Monate werden entscheidend
Dennoch sprechen viele Faktoren dafür, dass Rocket Lab inzwischen deutlich robuster aufgestellt ist als noch vor wenigen Jahren. Das Unternehmen wächst schnell, gewinnt strategisch wichtige Regierungsaufträge und verschiebt seinen Schwerpunkt zunehmend in margenstärkere Geschäftsbereiche. Entscheidend wird nun sein, ob Rocket Lab die hohen Erwartungen operativ bestätigen kann – insbesondere beim Ausbau des Satellitengeschäfts und beim ersten Flug der Neutron-Rakete.
Fest steht: Der Wettlauf im All wird nicht mehr nur von SpaceX bestimmt. Rocket Lab hat sich in Stellung gebracht, um vom nächsten großen Boom der Raumfahrtindustrie überproportional zu profitieren.
Ich bleibe daher zuversichtlich, was die Aktie angeht und traue dem Kurs perspektivisch noch deutlich höhere Notierungen zu. Angesichts der starken Rallye zuletzt und einer überkauften Markttechnik sollten sich Anleger aber auf zwischenzeitliche Korrekturen gefasst machen.
Beste Grüße,
Ihr Alexander Hirschler