Börsenwoche: Deutscher Nebenwert mit spektakulärem Comeback – aber wie viel Potenzial steckt jetzt noch drin?

Liebe Leserinnen und Leser,

kaum eine deutsche Aktie hat in den vergangenen Monaten eine derart beeindruckende Trendwende hingelegt wie SMA Solar. Nach dem dramatischen Absturz im Jahr 2024 feiert der Hersteller von Solar-Wechselrichtern ein echtes Börsen-Comeback. Seit Anfang März hat sich der Kurs mehr als verdoppelt, gegenüber den Tiefständen vom November 2024 sogar annähernd versiebenfacht. Mit Kursen von über 70 Euro markierte die Aktie am Montag den höchsten Stand seit Herbst 2023. Die zentrale Frage lautet inzwischen allerdings: Ist die operative Wende nachhaltig genug, um die inzwischen ambitionierte Bewertung weiter zu rechtfertigen?

Zahlen liefern erste klare Trendwende

Die jüngsten Quartalszahlen lieferten zumindest wichtige Argumente für die Bullen. SMA Solar meldete für das erste Quartal einen Umsatzanstieg um vier Prozent auf 340,9 Millionen Euro. Das EBITDA verbesserte sich auf 26,1 Millionen Euro.

Besonders wichtig für Anleger: Das Management spricht inzwischen offen von einer Stabilisierung der Nachfrage. Vor allem das Geschäft mit privaten Haushalten und Gewerbekunden zieht wieder an, nachdem die hohen Lagerbestände bei Händlern zuletzt deutlich reduziert wurden.

Auch die Auftragsdynamik verbessert sich spürbar. Zusätzlich sorgen neue Produktlösungen sowie speichergestützte Großaufträge für Rückenwind. Das Projektgeschäft mit großen PV-Kraftwerken bleibt ohnehin eine wichtige Stütze des Konzerns.

Die Börse interpretiert diese Entwicklung als klares Signal, dass die operative Talsohle inzwischen durchschritten sein könnte.

Analysten werden optimistischer

Entsprechend positiv fiel zuletzt auch die Reaktion einzelner Analysten aus. Jefferies-Experte Constantin Hesse erhöhte sein Kursziel jüngst von 58 auf 71 Euro und verwies dabei auf die deutlich verbesserte Auftragslage.

Allerdings zeigt sich gleichzeitig auch ein wichtiger Punkt: Viele Analysten wurden von der Dynamik der Rallye regelrecht überrollt. Zahlreiche Kursziele liegen inzwischen bereits unter dem aktuellen Börsenkurs und hinken der Entwicklung deutlich hinterher. Das mittlere Kursziel beträgt 54,70 Euro.

Das verdeutlicht, wie schnell sich die Marktstimmung rund um SMA Solar gedreht hat.

Charttechnik bleibt klar bullish

Auch aus charttechnischer Sicht liefert die Aktie weiterhin Stärke. Seit dem Ausbruch über die frühere Widerstandszone um 39 Euro hat sich die Rallye massiv beschleunigt. Zuletzt gelang sogar der Sprung über den wichtigen Bereich um 60 Euro.

Damit rücken nun die nächsten Zielzonen im Bereich von 67 bis 70 Euro in den Fokus. Gelingt auch dort ein nachhaltiger Ausbruch, könnte mittelfristig sogar der Bereich um 76 Euro erreichbar werden – ein Niveau, das zuletzt im Sommer 2023 gehandelt wurde.

Allerdings steigt mit jeder weiteren Kursbeschleunigung auch das Risiko schärferer Rücksetzer. Die Rallye verläuft inzwischen extrem steil, Gewinnmitnahmen sind deshalb jederzeit möglich.

Bewertung wird zunehmend anspruchsvoll

Genau hier liegt aktuell auch der größte Knackpunkt. Denn operativ verbessert sich die Lage zwar klar – die Börse hat diese Erholung inzwischen aber bereits sehr offensiv eingepreist.

Mit einem Forward-KGV von deutlich über 30 gehört SMA Solar mittlerweile wieder zu den ambitionierter bewerteten Titeln im deutschen Nebenwertebereich. Für einen zyklischen Industriewert ist das eine anspruchsvolle Bewertung, insbesondere nachdem die Aktie bereits einen Großteil des früheren Kurseinbruchs aufgeholt hat.

Die kommenden Quartale müssen deshalb zeigen, ob die operative Dynamik tatsächlich stark genug ist, um die hohen Erwartungen weiter zu erfüllen.

Kurzum: Das Momentum bleibt stark, gleichzeitig ist aber auch die Fallhöhe deutlich gestiegen.

Beste Grüße,

Ihr Alexander Hirschler

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