Liebe Leserinnen und Leser,
die Aktie des Windkraftanlagenbauers Nordex ist weiterhin nicht zu stoppen. Zum Auftakt in die neue Handelswoche legte der Kurs zeitweise um mehr als 10 Prozent zu und schrieb ein neues Rekordhoch bei 51,70 Euro. Damit hat sich der Wert der Aktie auf Sicht von zwölf Monaten verdreifacht. Wie ist diese Entwicklung zu erklären und wie viel Potenzial steckt jetzt noch im deutschen Green-Economy-Play?
Starker Jahresauftakt
Nordex ist mit großer Stärke ins Jahr 2026 gestartet – und die Börse quittiert dies mit dem Sprung auf ein neues All Time High. Sowohl beim Umsatz als auch beim Ergebnis wurden die Erwartungen übertroffen.
Die Erlöse kletterten im ersten Quartal um rund 11 Prozent auf 1,59 Milliarden Euro. Noch beeindruckender fiel jedoch der Gewinnsprung aus: Das operative Ergebnis (EBITDA) legte um mehr als 60 Prozent auf rund 131 Millionen Euro zu. Parallel verbesserte sich die Marge deutlich von 5,5 auf 8,2 Prozent. Unter dem Strich stand ein Nettogewinn von 53,6 Millionen Euro – ein Vielfaches des Vorjahreswertes.
Auch operativ zeigt sich das Unternehmen in robuster Verfassung. Die Installationen legten spürbar zu, die Preise pro Megawatt zogen leicht an und der Auftragsbestand erreichte ein Rekordniveau. Insgesamt summieren sich die Bestellungen auf rund 17 Milliarden Euro, davon 10,5 Milliarden im Turbinengeschäft und 6,5 Milliarden im Servicebereich.
Ein kleiner Makel im starken Gesamtbild
So überzeugend die Zahlen auch sind – ein Punkt sorgt für Stirnrunzeln: Der Auftragseingang im Neugeschäft ging zuletzt zurück. Das Volumen fiel von rund 2,2 auf 1,9 Gigawatt, auch der entsprechende Auftragswert gab nach.
Noch ist das kein Beinbruch, denn die gut gefüllten Bücher sichern die Auslastung auf absehbare Zeit. Dennoch zeigt sich hier ein potenzieller Frühindikator, den Anleger im Blick behalten sollten – gerade in einem wettbewerbsintensiven Markt wie der Windenergie.
Prognose steht – Fundament bleibt solide
Für das Gesamtjahr zeigt sich das Management weiterhin zuversichtlich: Der Umsatz soll auf 8,2 bis 9,0 Milliarden Euro steigen, die operative Marge wird zwischen 8 und 11 % erwartet. Damit bleibt das Unternehmen klar auf Wachstumskurs.
Die Kombination aus steigenden Preisen, stabiler Nachfrage und wachsendem Servicegeschäft liefert eine solide Grundlage für die kommenden Quartale.
Analysten bleiben optimistisch – aber nicht einheitlich
Am Markt überwiegt weiterhin Zuversicht. Mehrere große Häuser bestätigten ihre Kaufempfehlungen und verweisen auf die starke Margenentwicklung sowie den stabilen Ausblick. Die Kursziele bewegen sich allerdings in einer vergleichsweise engen Spanne um die aktuellen Notierungen.
Das signalisiert: Die operative Entwicklung überzeugt – doch beim Kurspotenzial gehen die Meinungen auseinander. Während einige Experten weiteres Aufwärtspotenzial sehen (Deutsche Bank: 58 Euro), mahnen andere zur Vorsicht und verweisen auf die inzwischen ambitionierte Bewertung. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 46,40 Euro und damit unterhalb des aktuellen Kursniveaus.
Was bedeutet das für die Aktie?
Ein Blick auf den Chart zeigt einen nahezu perfekten Aufwärtstrend seit Anfang 2025. Die Aktie kennt aktuell kaum Rücksetzer und hat in kurzer Zeit eine beeindruckende Rallye hingelegt.
Genau das könnte nun zum Problem werden. Denn mit steigenden Kursen wächst auch die Fallhöhe. Bewertungskennzahlen wie das Forward-KGV wirken mit einem Wert von 25 im Branchenvergleich zunehmend anspruchsvoll – insbesondere im Vergleich zu großen Wettbewerbern.
Kurzum: Viel Positives scheint bei Nordex bereits eingepreist, während erste kleine Schwächen – wie der rückläufige Auftragseingang – nicht ignoriert werden sollten.
Beste Grüße,
Ihr Alexander Hirschler