Liebe Leserinnen und Leser,
die Aktie des US-Speicherchipspezialisten Micron eilt auch in diesem Jahr von einem Rekord zum Nächsten. Trotz des Rücksetzers vom Freitag ist der Wert in diesem Jahr bereits um rund 50 Prozent gestiegen. Wird die Luft nun dünner oder können Anleger auf weitere Kursgewinne spekulieren?
Auch in 2026 bester Nasdaq 100-Wert
Aktien von Speicherherstellern gehören seit geraumer Zeit zu den heißesten Assets, das die Börse zu bieten hat. Bereits im vergangenen Jahr war Micron mit einem Kursplus von 240 Prozent bester Performer im Nasdaq 100 und auch 2026 führt die Aktie die Bestenliste im bekannten Technologieindex an.
Profitieren können Micron und Co. von den deutlich gestiegenen Preisen im Speichermarkt aufgrund der dort vorherrschenden Angebotsknappheit. Der massive Ausbau von Rechenzentren für Anwendungen im Bereich der künstlichen Intelligenz sorgt für einen nie dagewesenen Nachfrageboom nach sogenannten Hochleistungsspeichern (HBM), die für die KI-Cluster benötigt werden.
Preise sollen auf fast das Doppelte steigen
Wie dramatisch die Lage inzwischen ist, zeigen aktuelle Daten von TrendForce. Das US-Marktforschungsunternehmen hat am Montag seine Prognosen angehoben und erwartet, dass die Vertragspreise für konventionelle DRAM im ersten Quartal 2026 um 90 bis 95 Prozent gegenüber dem Vorquartal steigen werden.
In einer vorherigen Schätzung war das Unternehmen noch von einem Preisanstieg von 55 bis 60 Prozent bei den dynamischen Direktzugriffsspeichern ausgegangen. Aufgrund der anhaltenden KI- und Rechenzentrumsnachfrage im ersten Quartal verschärfe sich das globale Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage im Speichermarkt. Mit der Folge, dass die Preissetzungsmacht der Anbieter zunehme, so TrendForce in einer Erklärung.
Micron-CEO Sanjay Mehrotra warnte kürzlich vor einer beispiellosen Knappheit, die weit über 2026 hinaus andauern könnte. Für die Micron-Aktie sind das allerbeste Voraussetzungen, um die Aufwärtsrallye fortzusetzen.
Ein branchenweites Phänomen
Starke Zahlen von Konkurrenten wie SK Hynik, Samsung Electronics oder auch Seagate und Sandisk haben das Narrativ vom boomenden Speicherchipmarkt zuletzt weiter befeuert.
Micron selbst hatte seine Zahlen bereits im Dezember vorgelegt und für das laufende zweite Geschäftsquartal Umsätze von 18,7 Milliarden Dollar sowie ein bereinigtes Ergebnis je Aktie von 8,42 Dollar in Aussicht gestellt. Analysten waren von einem Umsatz von 14,2 Milliarden Dollar und Earnings per Share von 4,78 Dollar ausgegangen und hatten damit deutlich weniger erwartet.
Für die Aktie spricht darüber hinaus die weiterhin moderate Bewertung. So wird Micron trotz der starken Rallye der vergangenen Wochen mit einem Forward-KGV von 13 bewertet, das im kommenden Geschäftsjahr sogar auf unter 10 sinken könnte.
Jetzt bei Micron einsteigen?
Der Höhenflug der Speicheraktien wird derzeit nicht von Euphorie allein getragen, sondern von harten Fakten: explodierende Preise, strukturelle Angebotsengpässe und eine Nachfrage, die vom KI-Ausbau immer weiter angeheizt wird. Die jüngsten Prognoseanhebungen im DRAM-Markt unterstreichen, wie außergewöhnlich das aktuelle Marktumfeld ist – und wie groß die Preissetzungsmacht der Anbieter geworden ist.
Zwar mahnt der steile Kursanstieg zur Vorsicht und kurzfristige Rücksetzer sind jederzeit möglich. Doch solange sich die fundamentalen Rahmenbedingungen nicht entspannen, bleiben Korrekturen eher Gelegenheiten als Trendbrüche.
Beste Grüße,
Ihr Alexander Hirschler