Liebe Leserinnen und Leser,
die Aktie des US-Uranproduzenten Cameco hat einen furiosen Start ins neue Jahr hingelegt. Obwohl der Januar noch nicht einmal zu Ende ist, ging es bereits um mehr als 35 Prozent nach oben. Auf 12-Monats-Sicht hat sich der Titel im Wert sogar mehr als verdoppelt. Ist die Aktie selbst nach dem starken Lauf weiterhin einen Blick wert?
KI-Boom als Wachstumstreiber
Profitieren kann der Anteilsschein von der weltweiten Renaissance der Kernenergie und der wachsenden Nachfrage nach dem Brennstoff Uran. Gerade durch die Ausbreitung von künstlicher Intelligenz und den Bau von Rechenzentren gewinnt Atomenergie wieder zunehmend an Bedeutung.
So haben im vergangenen Jahr mehrere große Hyperscaler wie Meta und Microsoft langfristige Stromabnahmeverträge mit Nuklearanbietern wie Vistra, Oklo oder auch Constellation Energy geschlossen, um den enormen Energiebedarf ihrer KI-Infrastruktur abzudecken. Auch Amazon und die Google-Mutter-Alphabet haben Milliardenverträge für Atomstrom unterzeichnet.
Die wachsende Nachfrage hat dazu geführt, dass der Uranpreis in den letzten Monaten wieder deutlich angestiegen ist. Seit den Tiefs aus dem März ging es um mehr als 40 Prozent hinauf auf ein Niveau von knapp 90 Dollar pro Pfund U3O8. Als größter westlicher Uranproduzent und zweitgrößter Anbieter weltweit profitiert Cameco direkt von diesem Marktumfeld und den knappen Lagerbeständen.
US-Regierung setzt auf Kernenergie
Zusätzlichen Auftrieb haben Aktien von Atomkraftunternehmen unlängst durch die Rede von US-Präsident Donald Trump auf dem Weltwirtschaftsforum im Schweizer Davos erhalten. Trump nutzte die große Bühne und erklärte, dass die USA sehr an der Welt der Kernenergie interessiert seien.
Bereits im vergangenen Jahr hatte der Mann im Weißen Haus Executive Orders zur Wiederbelebung der US-amerikanischen Atomenergie unterzeichnet.
Was bedeutet das für Cameco?
Nach Schätzungen der World Nuclear Association wird die weltweite Uran-Nachfrage zwischen 2023 und 2030 um rund 25 bis 30 Prozent steigen. Um dieses Wachstum zu bedienen, wären angesichts der weiter bestehenden Importverbote für russisches Uran deutliche Produktionsausweitungen nötig, doch kurzfristig sind diese kaum realisierbar.
Für Cameco ergibt sich damit ein fast schon perfektes Umfeld, um weiter zu wachsen. Etwas problematisch ist jedoch die inzwischen recht hohe Bewertung der Aktie. Trotz eines erwarteten Gewinnwachstums von knapp 60 Prozent in diesem Jahr liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis für 2026 bei über 75.
Da die Aktie inzwischen auch charttechnisch stark überkauft ist, würde ich Anlegern raten zunächst einmal eine Korrektur abzuwarten und sich erst danach zu positionieren. Mittel- bis langfristig halte ich Cameco gerade angesichts der strategischen Bedeutung für westliche Lieferketten aber weiterhin für ein sehr spannendes Investment.
Beste Grüße,
Ihr Alexander Hirschler